Die BRB (Bayerische Regionalbahn) und die SETG (Salzburger EisenbahnTransportLogistik GmbH) in Verbindung mit dem Notfallmanagement der DB in Rosenheim ermöglichten den Landkreisfeuerwehren jetzt einen besonderen gemeinsamen Übungstag in Rohrdorf.
Die Hauptorganisatoren David Dietl (BRB), Tim Schmidt (SETG), Stefan Ernstorfer (DB) und Christian Hof (Kreisbrandmeister Gefahrgut/Schienenverkehr) konnten eine besondere Übung inklusive zweier Stationsausbildungen anbieten. Dies wurde in beeindruckender Weise von allen Feuerwehren sofort und dankbar angenommen – trotz besonderer Belastungen am Übungstag wie etwa einer Blockabfertigung auf der Autobahn, Hitze, Trockenheit sowie hoher Waldbrandgefahr.


Die Koordinierungsgruppe der FüGK, des Landratsamtes Rosenheim, der Leitstelle Rosenheim und die Übungsorganisatoren standen im Zuge der Übungsplanungen nicht nur in engem Kontakt, sondern an diesem besonderen Tag sogar in direkter Verbindung untereinander. Somit waren sie für jedes planbare Ereignis gut vorbereitet und konnten sofort bei einem Bedarf reagieren, um allen Anforderungen gerecht zu werden.


Dargestellt wurde ein „THL VU Zug“; das hieß in diesen Fall Zusammenstoß eines Triebfahrzeugs (z.B. ET 301) mit einem Gefahrgut-Güterzug. Der Lokführer konnte noch eine Notfallmeldung an die DB-Notfallleitstelle senden. Diese sperrte sofort die Strecke und veranlasste alle notwendigen Maßnahmen und Alarmierungen sowie das Senden des sogenannten „Bestätigungsfaxes“ an die zuständige Integrierte Leitstelle Rosenheim. Sie wurde an diesen Tag für diese besondere Übung vom Kreisbrandinspektor Martin Gruber dargestellt.


Per zeitversetzten Funkabrufen forderte die Übungsleitstelle die Ortsfeuerwehren Rohrdorf und Thansau sowie die Gefahrgut-Einheit Inntal, die Bahn-Einheit Inntal, die Bahn-Einheit und Erdungseinheit Kolbermoor, die ÖEL Stephanskirchen, den Fachberaterin Chemie, den Fachberater THW, das Landratsamt Rosenheim, die Bundespolizei und das Notfallmanagement der DB sowie die zwei verschiedenen Nothilfen der beiden Zugbetreiber an. In kürzester Zeit setzten sich somit etwa 20 Einsatzfahrzeuge mit rund 150 Einsatzkräften ohne Alarmfahrt von ihren jeweiligen Abrufplätzen in Bewegung.

Für die Ortsfeuerwehr und insbesondere für den Einsatzleiter waren viele Maßnahmen zu erkennen und einzuleiten. Diese Herausforderungen wurden von allen Einsatzkräften in Perfektion abgearbeitet.
Die örtliche Einsatzleitung wurde von der ÖEL Stephanskirchen auf der Anfahrt schon unterstützt. Die Einsatzkräfte konnten in der Erstphase nur eingeschränkt tätig werden, bis die Feuerwehr Kolbermoor eine Bahnerdung vollzogen hatte. Danach konnten alle Einheiten zeitgleich an den beiden Schienenfahrzeugen arbeiten.
Alleine im Personenzug waren mehr als 30 „verletzte“ Personen zu retten und zu versorgen. Zeitgleich musste ein Leck an einem Gefahrgutwaggon, 30/1130-Kamperöl (Darstellung mit Wasser), unter Sonderschutzkleidung abgedichtet werden. Wertvolle Informationen konnte hierbei die Fachberaterin „Chemie“ geben. Dabei zeigte sich ebenfalls, dass die Gefahrgut-Datenbank von der Integrierten Leitstelle sowie das Fachwissen des jeweiligen Fachberater-Teams von höchster Bedeutung sind.



Immer wieder beeindruckend war auch die Zusammenarbeit der Bundespolizei mit ihren Spezialteams. Beide Fachseiten konnten voneinander Fachwissen auffrischen und viel voneinander lernen. Die Bundespolizei gehört bei den Bahnübungen im Landkreis Rosenheim schon selbstverständlich mit dazu. Gleiches gilt auch für alle anderen BOS-Organisationen wie beispielsweise das THW Rosenheim.
Erstmals wurde an diesem Tag in der Praxis getestet, was geschieht, wenn eine Gefahrgut-Einheit nicht komplett ausrücken kann. Nicht nur die zeitnahe Nachalarmierung ist von großer Bedeutung, sondern auch die „Manpower“ und die Gerätschaften. Die Weitsichtigkeit und Zukunftsorientierung von Kreisbrandrat Richard Schrank zusammen mit dem Landratsamt Rosenheim bezüglich des neuen Wechsellader- und Containerkonzepts für den Landkreis sind von größter Wichtigkeit für diese Aufgabenbereiche.
Im Gefahrgut- Bereich folgen vier Fachcontainer:
AB Umweltschutz CBRN
AB Dekon Geräte
AB Öl Gewässer
AB Öl Land
Diese wurden in einer Gemeinschaftsleistung von Kreisbrandmeister Christian Hof mit seinen derzeit 13 Spezialfachgruppen „Gefahrgut“ (CBRN) ausgearbeitet.



Besonders der AB Umweltschutz CBRN bringt in Zukunft alle wichtigen Grundgeräte für einen Gefahrguteinsatz (Ersteinsatz) mit und nicht nur die jeweilige Gefahrgut-Einheit, sondern auch andere Feuerwehren können diese Geräte dann unter der richtigen Fachleitung/Fachberatung einsetzen.


Nach gut zwei Stunden schweißtreibender Arbeiten (34 Grad Außentemperatur) wurde die Übung beendet und besprochen. Die BRB und die Getränkefirma ORO spendierten Getränke und kühle Plätze für die Erholungsphase. Eine Übungsbesprechung vor Ort wurde bewusst nicht angeboten, damit der Zeitplan eingehalten werden konnte. Im Nachgang wird es noch kleine Nachbesprechungen geben und die Auswertung an die jeweiligen Einheiten übermittelt. Wir wollen die verschiedenen Erfahrungen und möglichen Schwachstellen auswerten und optimale Maßnahmen für die Zukunft ergreifen.
Im Anschluss gab es noch zwei Stationsausbildungen für die Einsatzkräfte und für die Bahnbediensteten, welche diese Veranstaltung ebenfalls als einmalige Fortbildungsmöglichkeit nutzten.
Stationsausbildung 1 – Anheben:
Anheben eines Güterwagons. Die verschiedenen Hebepunkte wurden praktisch gezeigt und durchgeführt mit ihren Vor- und Nachteilen. Anschließend konnten verschiedene Hebegeräte getestet werden. Wichtig waren die praktischen Tipps des THW-Fachberaters und besonders der Notfallhilfe. Absolute Priorität hat der Radreifen, der in keinem Fall von den Einsatzkräften der BOS-Einheiten über die Schienenkante hinausgehoben werden darf.

Stationsausbildung 2 – Stromversorgung:
Die BRB und die DB sowie weitere Bahnfirmen halten Einsatzmerkblätter für die BOS-Einheiten bereit. In diesen Unterlagen ist etwa das Triebfahrzeug ET 301 beschrieben. Bei vielen praktischen Schulungen im Landkreis Rosenheim wurde die Möglichkeit einer Stromeinspeisung bislang zwar angesprochen, aber bis dato noch nie in der Praxis (bayernweit) getestet. Die Feuerwehr stellte für diesen Test verschiedene Aggregate (verschiedene tragbare, fahrbare zum Beispiel via Rüstwagen oder HLF und 125 KV-Anhänger) zur Verfügung. Unter Aufsicht des Bahnpersonal führten die Einsatzkräfte „Strom“ in das Schienenfahrzeug. Im Schienenfahrzeug mussten der Lokführer und die entsprechende Fachperson der Notfallhilfe einige Schaltvorgänge treffen, damit das Schienenfahrzeug mit Strom versorgt wird. Dabei wurde getestet ob die Beleuchtung, Zugsprecheinrichtung sowie die Klima- und Heizungsanlage betrieben werden können. In den nächsten Wochen werden vom Betriebswerk der BRB noch weitere Testversuche bei Augsburg gestartet und das Ergebnis bekanntgegeben. Diese praktischen Erkenntnisse sind für mögliche zukünftige Einsätze, insbesondere für die verschiedenen Einsatztaktiken, von größter Bedeutung.


Zusammenfassend war dieser Übungstag einmalig und hat viele neue Erkenntnisse gebracht, die im einzelnem im Nachgang noch vertieft werden müssen. Aufgrund dieser besonderen Übung, speziell wegen des bayernweit erstmaligen Praxistests „Stromeinspeisung“ und des hohen Aufwands der Bahnbetreiber, muss an dieser Stelle ein umfassender Dank ausgesprochen werden.
Er richtet sich an alle beteiligten Personen und Einheiten, die im Vorder- und Hintergrund mitgewirkt haben. Erwähnenswert ist ebenfalls die Unterstützung durch die verschiedenen Fachgremien und Behörden, die trotz ihrer eigenen Aufgaben diese Übung mit ihrem Wirken unterstützt und ermöglicht haben.
Weiterer kleiner Auszug der Übungsteilnehmer:
Bei den BOS-Einheiten die Feuerwehren Rohrdorf, Thansau, Kolbermoor, Stephanskirchen, Degerndorf, Oberaudorf, Prien am Chiemsee, Bad Endorf, Heufeld, Nicklheim, Hittenkirchen, Kreisbrandinspektion Rosenheim, Fachberaterin Chemie sowie THW Rosenheim, Bundespolizei, Landratsamt Rosenheim, FüGK Landratsamt Rosenheim, ILS Rosenheim sowie Gemeinde Rohrdorf mit Verwaltung und Bauhof, Firma ORO und Firma Rohrdorfer Zementwerk.
Bei den verschiedenen Bahnbetrieben die BRB, DB-Notfallleitstelle, DB-Notfallmanagement „Betriebsbezirk Rosenheim 1“, DB-InfraGo „Oberbau Rosenheim“ und die SETG.

Unsere Bahnausbilder, Notfallmanager DB, Notfallhilfe BRB, etc. und Kreisbrandmeister Christian Hof haben für die nächsten Jahre nicht nur viele Ideen entworfen, um den Blaulichtorganisationen interessante Übungen bieten zu können, sondern haben auch schon von den Firmenbetreibern und von der Stadt Rosenheim (Hauptwache Rosenheim, SBR Hans Meyrl) für die Nutzungen des Bahnhofs Rosenheim und den Südbahnhof die entsprechenden Zusagen erhalten.





