Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Rosenheim e.V.

19.06.2017 – Aschau im Chiemgau – Angesichts aktueller Katastrophen wie dem Hochhausbrand in London ist die Wichtigkeit der Feuerwehr wieder besonders präsent. In der Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Rosenheim wurden am 19.06.2017 die verschiedensten Themen angesprochen:

Knapp 900 Einsätze weniger

Die Zahl der Einsätze der Feuerwehren im Landkreis Rosenheim ist 2016 im Vergleich zu 2015 um fast 15 Prozent gesunken. Kreisbrandrat Richard Schrank sprach auf der Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Rosenheim e.V. in Aschau von einer schönen Entwicklung. Allerdings glaubt Schrank nicht, dass sie Bestand haben wird. Als Grund nannte er die witterungsbedingten Schäden, die im vergangenen Jahr keine Rolle spielten.

Insgesamt rückten die Frauen und Männer der Feuerwehren zu gut 5.200 Einsätzen aus. 2015 waren es noch gut 6.100. Im Detail weist die Einsatzstatistik unter anderem mehr als 860 Brände und fast 3.700 technische und sonstige Hilfeleistungen aus. Im Landkreis Rosenheim engagieren sich knapp 6.400 Aktive in 117 Freiwilligen Feuerwehren, einer Werkfeuerwehr sowie in zwei Betriebsfeuerwehren.

Um vorbereitet in die Einsätze gehen zu können, kümmert sich ein Team von 102 Ausbildern um die Organisation von Lehrgängen. Mehr als 4.500 Aktive nahmen im vergangenen Jahr an 202 Lehrgängen teil. Kreisbrandrat Richard Schrank rechnete vor, das sind im Schnitt vier Lehrgänge pro Woche und das ist sehr gut.

Modernste Technik für Lebensretter

Neu im Ausbildungskalender ist das Üben mit einem Schaumtrainer. Florian Ramsl von der Versicherungskammer Bayern übergab dem Kreisverband Rosenheim eine Übungseinheit im Wert von 4.000 Euro. Er wünschte eine spannende und unfallfreie Ausbildung. Mit dem Schaumtrainer kann der Einsatz von Löschschaum ausprobiert werden.

Positiv äußerte sich Schrank auch zum neu eingeführten Digitalfunk. Er funktioniert gut, sagte der Kreisbrandrat, und die im Analogfunk vorhandenen Lücken sind geschlossen. Im Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis gibt es einige Veränderungen. So wird die Unterstützungsgruppe für den Örtlichen Einsatzleiter immer häufiger auch bei Regeleinsätzen angefordert. Schrank freute das, denn es zeigt, dass sie als Unterstützung und nicht als Konkurrenz gesehen wird.

Für Hochwassereinsätze stehen inzwischen vier Hochleistungspumpen zur Verfügung. Mehrere Einheiten für Bahnerdung, Bahnrettung und Gefahrgut werden aufgebaut beziehungsweise bestehen bereits. In Feldkirchen-Westerham wird ein „Abrollbehälter Wasser“ stationiert, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn bei einem Brand zu wenig Löschwasser zur Verfügung steht. Und in der Gemeinde Söchtenau wird ein zentrales Lager für den Katastrophenschutz geplant.

Frischer Wind bei der Feuerwehr

Abschließend meinte der Kreisbrandrat, in den Feuerwehren gibt es viele Charaktere und viele Interessen und das macht es wirklich spannend. Schrank bedankte sich für die tägliche Zusammenarbeit, die Unterstützung und Förderung sowie bei allen, die mit uns Hand in Hand unsere Ziele erreichen.

Aktuelle Zahlen aus dem Bereich der Jugendfeuerwehr präsentierte der Kreisjugendfeuerwehrwart Manuel Pöhmerer. In den 82 Jugendfeuerwehren werden rund 800 Jungen und 200 Mädchen betreut. Im Jahr 2016 wurden etwa 200 in den aktiven Dienst übernommen. Etwa die gleiche Zahl trat neu in die Jugendfeuerwehren ein. Laut Pöhmerer umfasste alleine die feuerwehrtechnische Ausbildung rund 10.000 Stunden. Die Jugendwarte selbst bildeten sich etwa 2.200 Stunden fort.

Erst seit zwei Wochen gibt es im Kreisfeuerwehrverband eine Frauenbeauftragte. Marleen Meindl, seit 18 Jahren im aktiven Dienst, vertritt jetzt die Interessen der knapp 350 Frauen unter den beinahe 6.400 Aktiven.

Pöbeleien gegen Uniformträger

Landrat Wolfgang Berthaler, selbst ehemaliger Feuerwehr-Kommandant, bedankte sich für die viele Freizeit, die Tag und Nacht für Übungen und Einsätze geopfert wird. Dieser Dank war dem Landrat wichtig, weil Uniformträger immer häufiger Pöbeleien erleben müssen.

In der Gesellschaft sind offenbar immer mehr nicht mehr bereit zu akzeptieren, dass Menschen helfen wollen, sagte Berthaler. Mit einem Querverweis auf den Hochhausbrand von London betonte der Landrat erneut die Notwendigkeit eines funktionierenden Brandschutzes. Er dient auch der Entlastung der Feuerwehr, die immer sofort regieren muss und nicht weiß, was sie erwartet.

Zusammenarbeit als Fundament für kommende Katastrophen

Ein weiteres Dankeschön für die erbrachten Leistungen gab es von Aschaus Bürgermeister Peter Solnar. Harald Feckl vom Technischen Hilfswerk Rosenheim sagte im Namen aller Hilfsorganisationen Danke für die sehr gute Zusammenarbeit. Sie ist ein gutes Fundament für die kommenden Katastrophen und Einsätze, so Feckl.

Der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd Harald Pickert erinnerte an das Zugunglück von Bad Aibling. Aus seiner Sicht ein herausragendes Beispiel wie die Zusammenarbeit.

„Uns verbindet so viel“

Erwin Acherer, der stellvertretende Bezirksfeuerwehrkommandant aus Kufstein machte es kurz und sagte unter dem donnernden Applaus der Feuerwehrler in der vollbesetzten Festhalle in Aschau: Uns verbindet so viel. So war es gestern, so ist es heute und so ist es morgen.

Den Abschluss übernahm der Landtagsabgeordnete Klaus Stötter, der auch im Namen seines ebenfalls anwesenden Kollegen Otto Lederer Danke sagte: Es ist ein Glück, dass wir so einen Zusammenhalt haben.

An der Verbandsvertreterversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Rosenheim e.V. nahmen nicht nur die verantwortlichen Vertreter der Feuerwehren teil. Unter den Ehrengästen waren unter anderem 28 Bürgermeister oder deren Vertreter.

Zudem Angehörige von Polizei, Bundespolizei, mehrerer Rettungsdienste, dem Technischen Hilfswerk, dem Katastrophenschutz, First Responder, der Bergwacht, vom Notfallmanagement der Deutschen Bahn, der Regierung von Oberbayern, der Integrierten Leitstelle Rosenheim, den Feuerwehren aus dem Bezirk Kufstein, der Stadt Rosenheim sowie den Landkreisen Mühldorf und Traunstein.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim